Ich habe gerade I Shall Wear Midnight zu Ende gelesen und habe gemischte Gefühle. Es war das Buch, auf das ich mich am meisten gefreut habe dieses Jahr, da ich die Tiffany-Aching-Romane liebe und der Winterschmied mein Lieblingsbuch ist.
Tiffany ist jetzt 16 und ihre Lehre ist abgeschlossen. Sie nimmt die Aufgaben wahr, die eine Hexe alltäglich bewältigen muss. Das hat wenig mit Magie zu tun, sondern mehr mit harter Arbeit als Krankenpflegerin. Das Buch fängt ungeheuer düster an. Ich würde sagen, es ist vom Ton noch dunkler als Nightwatch. Vielleicht hat es mit Pterrys Alzheimer Erkrankung und seinem Bemühen um Sterbehilfe, etc. zu tun. Es geht gleich los mit Kindesmißbrauch, Fehlgeburt, Gewalt in der Ehe, Hass und Vorurteilen. Wenn man bedenkt, dass die Tiffany-Aching-Reihe als Kinderbuch angefangen hat, dann merkt man auch wie sehr Tiffany, wie auch die Leser dieser Reihe erwachsen geworden sind. Ein großes Thema des Buches ist nämlich auch das Erwachsen werden. Dies alles gleich am Anfang so eindringlich geschildert zu bekommen... und das von Terry Pratchett, das fand ich ein wenig befremdlich. Da Terry`s Schreibstil ja eigentlich durch andere Qualitäten und Themen besticht.
Die eigentliche Storyline fand ich, wie auch in den Vorgängern nicht so packend. Der Cunning Man reiht sich nahtlos ein in die Reihe der anderen Tiffany-Gegner, wie dem Hiver und dem Winterschmied. Aber ich finde, die Tiffany Aching Geschichten leben auch nicht durch die Storyline, sondern durch die herrlichen Charaktere und deren Interaktion.
Und deswegen ist auch I Shall Wear Midnight ein klasse Buch, weil halt das Grundrezept stimmt. Der Charakter der Tiffany Aching ist meiner Meinung nach der beste, interessanteste, ausgefeilteste Charakter den Terry je geschaffen hat. Und Tiffany hat in diesem vierten und letzten Buch wirklich ein sensationell gutes Ende bekommen. Das hat sie sich verdient! Ich finde nämlich in vielen Pratchett Romanen das Ende eher enttäuschend und wenig überraschend. Das Ende hier ist sehr Disney, alles findet zueinander, alles paßt nahtlos ineinander. Das hat Pratchett wirklich sehr gekonnt gelöst. Da merkt man auch die Evolution die er als Schriftsteller vom konfusen The Colour Of Magic bis hin zum intelligent durchstrukturierten I Shall Wear Midnight genommen hat. Ein wenig hat mich das Ende an die Filmversion vom Herrn der Ringe - Die Rückkehr des Königs erinnert. Nicht inhaltlich, sondern vom Ton. Aber so etwas Episches wie den Herrn der Ringe oder die Tiffany-Aching-Saga braucht nun mal so einen Abschluss.
Und mal abgesehen von Tiffany gab es ja ein Wiedersehen mit vielen, vielen Scheibenwelt Charakteren. Neben den Cameoauftritten von Karotte, Angua, Oma Wetterwachs und Nanny Ogg... ja sogar Om und Co. hab ich mich über die gelungene TOD Sequenz gefreut.

Die hat an die klassischen, guten Scheibenwelt Romane erinnert. Wie Wee Mad Arthur von der Stadtwache eingebaut wurde war ganz nett, aber ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht so richtig an diese Figur erinnern. Ich bin auch mehr der Hexen als der Stadtwachen Fan.
Mir hat jedoch Miss Tick gefehlt! Die hätte auftauchen müssen, denn sie ist eine zentrale Figur in Tiffanys Entwicklung und fehlte ganz und gar. Irgendwie hatte fast jede Schlüsselfigur auf der Scheibenwelt einen Auftritt, nur sie nicht!

Und als schließlich sämtliche Hexen auf dem Landsitz des Barons versammelt waren, da hatte ich mir auch etwas mehr versprochen... na toll... Mrs. Proust und Granny verstehen sich... hm...
Die neuen Charaktere wie Amber und Letitia fand ich nicht besonders interessant, eher farblos. Die Figur des Preston war amüsant und Mrs Proust hat viel Potential.
Und ich weiß nicht, wie ich die Rückkehr von Eskarina einordnen soll. Mein erstes Scheibenwelt Buch war Equal Rites und ich habe die Scheibenwelt zusammen mit Esk kennengelernt. Auf einmal ist sie wieder da. In den 35 Büchern vor I Shall Wear Midnight war nie eine Rede von ihr. Und plötzlich ist sie diese legendäre Gestalt, von der jede Hexe weiß und hinter vorgehaltener Hund munkelt. Das passte irgendwie nicht, so sehr ich mich auch über ihren Auftritt gefreut habe. Sie wirkt wie ein Phantom in dem Buch.
Mein Fazit? Ein tolles Buch! Anfangs sehr dunkel. Ein Buch mit perfekten Zutaten. Aber dennoch hat mich das Buch nicht so gepackt wie der Winterschmied. Das liegt nicht an der Storyline und auch nicht am Cunning Man (warum ist der eigentlich zurück gekommen?

Wieso genau? Ja gut, Tiffany hat den Winter geküsst, aber das hätte irgendwie genauer erklärt werden müssen, vielleicht hab ich auch zu flüchtig gelesen). Also es liegt nicht am Cunning Man, der hatte das gleiche Kaliber wie der Hiver oder der Winterschmied... nein, es liegt an den Bergen!
Hexen machen mehr Spass in den Bergen! Mit Miss Level und Petulia und Granny und Oma und besonders mit der nervtötenden Annagramma und dieser speziellen Spitzhornbergatmosphäre... Lancre ist einfach so viel interessanter als diese langweilige Kreide! Mit Miss Level und Petunia und Granny und Oma und besonders mit der nervtötenden Annagramma und dieser speziellen Spitzhornbergatmosphäre... es liegt an den Bergen!